Themenschwerpunkt

Josef Mengele
SS-Arzt in Auschwitz


Sven Keller:

Günzburg und der Fall Josef Mengele.
Die Heimatstadt und die Jagd nach dem NS-Verbrecher

(Schriftenreihe der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, Bd. 87),
Oldenbourg-Verlag, München 2003, 211. S.
ISBN 3-486-64587-0

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Leseprobe

"Aus der Perspektive der Journalisten, die 1964 nach Günzburg kamen, stellte sich das Verhalten der Günzburger freilich ganz anders dar und in ihrer Bewertung der Situation fühlten sich die Journalisten auch von der Frankfurter Staatsanwaltschaft bestätigt. Die Zweifel an Mengeles Schuld, die Verteidigung der Familie Mengele, die Unkooperative Haltung gegenüber den Journalisten - dies alles schien das Bild, das man von Günzburg und seinen Bewohnern hatte, voll und ganz zu bestätigen. Das Ergebnis dieses ersten Presseansturms, der vor allem im Juli 1964 die Stadt heimsuchte, war eindeutig und stand weitgehend schon fest, bevor die Journalisten überhaupt nach Günzburg kamen; es war maßgeblich beeinflusst durch den ersten Artikel von Willy Schwandes in der Bild-Zeitung. Genaugenommen waren die Günzburger auf die Rolle der Mengele-Verschwörer schon festgelegt, noch bevor Schwandes überhaupt einen Fuß in die Stadt setzte - dass er sich in seinem Artikel hauptsächlich der Aussagen von Fritz Bauer und Anton Seitz bediente, mit denen er vor einen Recherchen in der Stadt gesprochen hatte, ist bezeichnend. Dem Artikel ist, will man das Bild der Stadt in den Augen der breiten, nationalen wie internationalen Öffentlichkeit während der folgenden Jahrzehnte beschreiben, kaum etwas hinzuzufügen: Unter der plakativen Feststellung 'Keiner will den KZ-Arzt Dr. Mengele gekannt haben' hieß es dort, Mengele sei 'nach dem Kriege [...] noch in seiner Heimatstadt' gewesen. 'Dort hat er viele Freunde. Auch heute noch!' In Günzburg 'ist offenbar die Zeit stehengeblieben. [...] In Günzburg sind die Nazis los. Diese Stadt ist eine NS-Hochburg, schlimmer als München es je war.' Und weiter: 'Die Günzburger selbst werden aber kaum etwas zur Verhaftung Mengeles beitragen. Die decken ihn alle. Die alten Nazis würden ihn auch sofort warnen. Sie halten heute noch wie Pech und Schwefel zusammen. Sie treffen sich an Stammtischen und bilden eine verschworene Gemeinschaft, gegen die einzelne, aufrechte Männer heute nichts mehr ausrichen können.'"




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Zuletzt geändert: 01.01.1970




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