Themenschwerpunkt

Josef Mengele
SS-Arzt in Auschwitz


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Die Zahl der Opfer

Die Zahl der Opfer Josef Mengeles ist nicht einmal annähernd genau anzugeben. Mengele kam zu einem Zeitpunkt nach Auschwitz, als die Vernichtung schon lange angelaufen war, ihren Höhepunkt aber bei weitem noch nicht erreicht hatte. Wie viele Menschen er bei den Selektionen an der Rampe unmittelbar nach ihrer Ankunft oder bei den Lagerselektionen in die Gaskammern geschickt hat, kann - wenn überhaupt - nur geschätzt werden. Die neueste Forschung geht von insgesamt rund 1,1 Mio. Opfern aus, die in den Lagern von Auschwitz ihr Leben verloren haben. Mengele war nicht der einzige Arzt, der an der Rampe selektierte, und auch im Stammlager, in Auschwitz-Monowitz und den vielen Außenlagern gab es Opfer. Angesichts von Mengeles vielfach bezeugtem Enthusiasmus für die Rampenselektion (er hoffte, Zwillinge rechtzeitig für sich reklamieren zu können) wird man von einer hohen fünfstelligen, wenn nicht sechsstelligen Zahl ausgehen können, für deren Tod Josef Mengele unmittelbar und direkt die Verantwortung trägt.


Anders sieht es bei den Zwillingen aus, an denen er Versuche vornahm: Genaue Zahlen fehlen zwar auch hier, die Grundlagen für eine Schätzung sind jedoch deutlich besser. Aus den Zeugenaussagen einer Arztschreiberin und einer Krankenschwester wissen wir, daß der Höchststand an Zwillingspaaren, an denen Mengele gleichzeitig experimentierte, bei 350 lag. Diese Zahl scheint für den Hochsommer 1944 zuzutreffen. Im Januar 1945 - vor den Todesmärschen, die im Rahmen der Evakuierung noch einmal Zehntausende Opfer forderten - belief sich die Zahl der Zwillingspaare auf 72. Natürlich ist zu berücksichtigen, daß immer wieder neue Zwillingspaare mit den Transporten nach Auschwitz kamen. Zwischen 80 und 100 von Mengeles Zwillingen haben Auschwitz überlebt. Ihre Organisation geht davon aus, daß Mengele an insgesamt rund 1500 Zwillingspaaren, also 3000 Menschen, Versuche durchführte. Diese Zahl halte ich für realistisch.



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Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt und folgt - stark gekürzt - dem biographischen Teil meines Buches:


Sven Keller:

Günzburg und der Fall Josef Mengele.
Die Heimatstadt und die Jagd nach dem NS-Verbrecher

(Schriftenreihe der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, Bd. 87),
Oldenbourg-Verlag, München 2003, 211. S.
ISBN 3-486-64587-0

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Zuletzt geändert: 01.01.1970




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