Themenschwerpunkt

Josef Mengele
SS-Arzt in Auschwitz


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Biographie Josef Mengele, Teil 4


Paraguay und Brasilien (1959-1979)

Fünf Tage nach Mengeles Hochzeit, am 3. August 1958, erstattete der Journalist Ernst Schnabel Strafanzeige gegen Josef Mengele. Am 25. Februar 1959 wurde der erste Haftbefehl gegen erlassen. Mengele, der ja mittlerweile unter seinem eigenen Namen lebte, floh Hals über Kopf nach Paraguay, Martha und Karl-Heinz kehrten nach Europa zurück. Von nun an wurde Mengele gesucht - die bisherigen ruhigen Jahre waren vorüber. In Paraguay gelang es Mengele, die Staatsbürgerschaft zu erlangen, die ihn vor Auslieferung nach Deutschland schützte. Allerdings lautete sein neuer Paß wiederum auf den Namen José Mengele, und nachdem der israelische Geheimdienst am 11. Mai 1960 Adolf Eichmann nach Jerusalem entführt hatte, erschien dieser Schutz nicht mehr ausreichend. Mengele setzte im Oktober 1960 seine Flucht nach Brasilien fort, in der panischen Angst, er könnte der nächste auf der Liste des Mossad sein.


In Brasilien lebte er in den nächsten beiden Jahrzehnten äußerst zurückgezogen in der Gegend um Sao Paolo. Mit einem ungarisch-stämmigen Ehepaar hielt sich zunächst auf abgelegene Farmen versteckt, weitgehend isoliert von der Außenwelt. Gleichzeitig wuchs das öffentliche Interesse an seiner Person: Von nicht zu unterschätzender Bedeutung war dabei der große Frankfurter Auschwitz-Prozeß (1963-1965). Zuletzt, seit 1975, bewohnte er ein kleines Haus in einem heruntergekommenen Viertel von Sao Paolo.


Mythos Mengele

In den sechziger und siebziger Jahren entstand um die Person des KZ-Arztes eine Vielzahl von Mythen und Legenden, denen alle eines gemeinsam ist: sie entbehren jeglicher realer Grundlage. Der Nazijäger Simon Wiesenthal (dessen Verdienste um die Verfolgung von NS-Tätern unbestritten sind), muß sich im Fall Mengele weitgehendes Versagen vorwerfen lassen. Die Gerüchte und Legenden, die er zwei Jahrzehnte streute, waren einer Ergreifung Mengeles wenig dienlich. Immer wieder erklärte er, er habe Mengele ausfindig gemacht oder dieser sei ihm erneut um Haaresbreite entwischt - ohne ihm jemals wirklich auf der Spur gewesen zu sein. Ebenso wollten unzählige Journalisten und Abenteurer Josef Mengele im Laufe der Jahre ausfindig gemacht, Interviews mit ihm geführt, ihn fotografiert oder gefilmt haben. Mancher Abenteurer behauptete gar, er habe Mengele getötet.


Tod Mengeles

Anfang 1979 nahm die Familie Bossert - die einzigen Vertrauenspersonen oder gar Freunde, die Josef Mengele in Südamerika verblieben waren - ihn mit in ihren Sommerurlaub. Am 7. Februar 1979 erlitt Josef Mengele in dem brasilianischen Badeort Bertioga beim Schwimmen einen Schlaganfall und ertrank. Bereits am nächsten Tag wurde er auf dem Friedhof Nossa Senhora do Rosario in Embu, einem Vorort von São Paolo, unter dem Namen Wolfgang Gerhard beerdigt.


Seine Leiche wurde über sechs Jahre später, am 5. Juni 1985, entdeckt. Vorausgegangen waren verstärkte und nach stark gestiegenem öffentlichem Druck erstmals international koordinierte Ermittlungen; bei einer Hausdurchsuchung in Günzburg bei dem Vertrauten der Familie und Prokuristen der Firma Mengele, Hans Sedlmeier, wurden die Ermittler fündig. Sedlmeier hatte über de Jahrzehnte hinweg die konspirativen Kontakte der Familie nach Südamerika koordiniert. Der Familie war es gelungen, diese Kontakte über Jahrzehnte hinweg geheim zu halten - obwohl Ermittler wie auch Nazijäger seit den fünfziger Jahren überzeugt waren, daß diese Kontakte bestanden.


In aufwendigen gerichtsmedizinischen Untersuchungen konnte binnen weniger Wochen bestätigt werden, daß es sich bei der entdeckten Leiche um die Josef Mengeles handelte. Trotzdem blieben insbesondere in den Kreisen von Mengeles Opfern verständliche Zweifel. Erst 1991 konnte durch eine DNA-Analyse zweifelsfrei bestätigt werden, daß Josef Mengele im Februar 1979 ertrunken und unter fremdem Namen beerdigt worden war.



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Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt und folgt - stark gekürzt - dem biographischen Teil meines Buches:


Sven Keller:

Günzburg und der Fall Josef Mengele.
Die Heimatstadt und die Jagd nach dem NS-Verbrecher

(Schriftenreihe der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, Bd. 87),
Oldenbourg-Verlag, München 2003, 211. S.
ISBN 3-486-64587-0

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Zuletzt geändert: 01.01.1970




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