Themenschwerpunkt

Josef Mengele
SS-Arzt in Auschwitz


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Biographie Josef Mengele, Teil 3


Flucht aus Auschwitz und erste Nachkriegszeit (1945-1949)

Mengele verließ Auschwitz am 17. Januar 1945 und floh vor der Roten Armee in Richtung Westen. Am 23. oder 24. Januar erreichte er das Konzentrationslager Groß-Rosen, von wo aus er sich nach Berlin begab. Dort erhielt er vom Leitenden Arzt der Konzentrationslager, Dr. Enno Lolling, den Befehl, als Erster Standortarzt nach Groß-Rosen zurückzukehren. Kurz nach seiner Ankunft auf seinem neuen Posten wurde jedoch auch das Hauptlager Groß-Rosen geräumt. Wahrscheinlich begab sich Mengele zusammen mit dem Rest der Kommandantur in das Nebenlager Reichenau. Dieses Lager dürfte Mengele Ende April verlassen haben. Am 2. Mai fand er 150 km westlich bei einem Feldlazarett Unterschlupf und tauschte seine SS- mit einer Wehrmachtsuniform.


Im Juni 1945 wurde die ganze Einheit von der US-Armee gefangen genommen und interniert. Da Mengele bei seinem Eintritt in die SS die eigentlich übliche Blutgruppentätowierung unter dem Arm verweigert hatte, wurde er nicht als SS-Mann erkannt und unter dem falschen Namen Fritz Hollmann Anfang August regulär entlassen. Die Amerikaner wußten zu diesem Zeitpunkt nicht, wer sich in ihrem Gewahrsam befunden hatte.


Mengele schlug sich bis Günzburg durch, wo er sich ab Ende August für einige Wochen in den Wäldern versteckt hielt. Auf Dauer war dies keine Lösung, und so arbeitete Dr. phil. et Dr. med. Josef Mengele seit Anfang Oktober als Knecht auf einem Bauernhof, dem Lechnerhof in Mangolding (einem kleinen Weiler zwischen dem Chiemsee und Rosenheim in Oberbayern). Am 1. August 1948 verließ Mengele den Lechnerhof. Wo er sich in den folgenden Wochen und Monaten aufgehalten hat, ist unklar - möglicherweise ist er nochmals verdeckt nach Günzburg zurückgekehrt.


Flucht nach Südamerika und Aufenthalt in Argentinien (1949-1959)

Am 15. April 1949, dem Karfreitag, begann Josef Mengele seine Flucht nach Südamerika. Auf abenteuerlichen Wegen und mit gefälschten italienischen Papieren, die auf den Namen Helmut Gregor lauteten, erreichte er Genua. Dort erhielt er vom Schweizer Konsulat problemlos einen Rot-Kreuz-Paß, wurde dann aber kurzzeitig inhaftiert, weil er versucht hatte, den falschen Beamten wegen eines italienischen Ausreisevisums zu bestechen. Nichtsdestotrotz konnte er am Am 25. Mai 1949 sein Schiff, die "North King", besteigen und Europa in Richtung Argentinien verlassen.


Am 20. Juni 1949 erreichte Josef Mengele Buenos Aires. Dort lebte sich der ehemalige Lagerarzt schnell ein. Dank einiger Unterstützung durch seine Familie in Günzburg, deren Landmaschinenfabrik während des Krieges Zwangsarbeiter beschäftigt und nach Kriegsende einen schnellen Aufschwung genommen hatte, brauchte sich Mengele zunächst zumindest um seine finanzielle Situation keine Sorgen zu machen. Auch in Sachen Strafverfolgung schien bald keine Gefahr mehr zu drohen: In den fünfziger Jahren zeigte die deutsche Justiz nur wenig Interesse und Tatkraft, wenn es um die Verfolgung von NS-Verbrechern ging.


Weniger günstig entwickelte sich indes Mengeles Privatleben: Am 25. März 1954 wurde seine Ehe mit Irene Mengele durch das Landgericht Düsseldorf geschieden; Mengele ließ sich durch einen Rechtsanwalt vertreten. 1956 reiste er in die Schweiz, wo er eine Woche Skiurlaub mit seinem 1944 geborenen Sohn Rolf (der ihn allerdings für einen entfernten Onkel hielt) und seiner Schwägerin Martha verbrachte. Marthas Mann, Josef Mengeles Bruder Karl, war 1945 verstorben. Vieles spricht dafür, daß Mengele danach auch noch einen Abstecher nach Günzburg unternommen hat.


Zurück in Argentinien beantragte Mengele bei der Deutschen Botschaft eine amtliche Identitätsfeststellung (bisher hatte er unter dem Falschnamen Helmut Gregor gelebt) und einen Reisepaß der Bundesrepublik Deutschland - weder die Konsularbeamten vor Ort noch das Auswärtige Amt in Bonn erhoben Einwände oder schöpften verdacht. 1958 heiratete er seine verwitwete Schwägerin Martha, die ihm zusammen mit ihrem Sohn Karl-Heinz nach Südamerika gefolgt war.



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Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt und folgt - stark gekürzt - dem biographischen Teil meines Buches:


Sven Keller:

Günzburg und der Fall Josef Mengele.
Die Heimatstadt und die Jagd nach dem NS-Verbrecher

(Schriftenreihe der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, Bd. 87),
Oldenbourg-Verlag, München 2003, 211. S.
ISBN 3-486-64587-0

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Zuletzt geändert: 01.01.1970




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