Themenschwerpunkt

Josef Mengele
SS-Arzt in Auschwitz


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Biographie Josef Mengele, Teil 1


Kindheit und Jugend (1911-1930)

Josef Mengele wurde am 16. März 1911 als ältester von drei Söhnen des Landmaschinenfabrikanten Karl Mengele geboren. Er entstammte einem national-konservativen, katholischen Elternhaus: Der Vater war Mitglied der Deutsch-Nationalen Volkspartei (DNVP) und des konservativen Frontkämpferbundes "Stahlhelm", und nach der Machtergreifung gelang es ihm, einen schon lange angestrebten Sitz im Stadtrat zu erhalten; im Mai 1933 trat Karl Mengele der NSDAP bei, und ist damit zu den von den "Alten Kämpfern" der Partei abfällig als "Märzgefallene" titulierten Opportunisten zu zählen, die der Partei nach dem Wahlerfolg vom 5. März 1933 in Scharen beitraten. Als dezidierten oder gar fanatischen Nationalsozialisten kann man Mengeles Vater dennoch nicht bezeichnen.


Von 1921 bis 1930 besuchte Josef Mengele das Günzburger Gymnasium, 1924 trat der Dreizehnjährige dem Großdeutschen Jugendbund bei, einem Verband der bündischen Jugend von national-konservativer Prägung. Von 1927 an bis zu seinem Ausscheiden im Jahr 1930 stand er der Günzburger Ortsgruppe vor.


Studium und Karriere (1930-1940)

Zu Ostern 1930 erhielt Mengele sein Reifezeugnis; das Abitur hatte er mit eher mittelmäßigen Noten bestanden. Der gerade 19-jährige verließ seine Heimatstadt in Richtung München, wo er sich weitgehend spontan für ein Studium der allgemeinen Medizin entschied. Ein Studium, das ihn zum Eintritt in die elterliche Maschinenfabrik befähigt hätte, schien nicht angeraten, weil einer seiner Brüder bereits eine entsprechende Laufbahn eingeschlagen hatte und zum anderen die Weltwirtschaftskrise die Zukunft auch des Günzburger Unternehmens in Frage stellte. In den folgenden Jahren studierte er in München, Wien und Bonn. Eine besondere Affinität Mengeles zum Nationalsozialismus kann zumindest für die erste Zeit seines Studiums nicht festgestellt werden - er dachte nach wie vor national-konservativ und elitär, der Nationalsozialismus schien ihm zu proletarisch. Deshalb trat er 1932 auch dem Jungstahlhelm bei und nicht einer der vergleichbaren NS-Gliederungen. Als die Mitglieder des Stahlhelm nach der Machtergreifung geschlossen in die SA überführt wurden, trat Mengele kurz darauf unter Verweis auf gesundheitliche Probleme aus.


1935 promovierte er bei Prof. Dr. Theodor Mollison in München (Thema: "Rassenmorphologische Untersuchungen des vorderen Unterkieferabschnittes bei vier rassischen Gruppen") im Fach Anthropologie. 1936 bestand er die erste Staatsprüfung und absolvierte anschließend sein Medizinalpraktikum, zunächst für vier Monate an der Kinderklinik der Universität Leipzig, dann, ab 1. Januar 1937, am von Prof. Otmar Freiherr von Verschuer geleiteten, neu gegründeten Institut für Erbbiologie und Rassenhygiene in Frankfurt. In Leipzig lernte Mengele seine erste Ehefrau Irene Schoenbein kennen, die er 1939 heiratete. Mit Beendigung seines Medizinalpraktikums erhielt er die Bestallung als Arzt und wurde zum 1. September 1937 als Assistenzarzt an Verschuers Institut übernommen. Dort promovierte er 1938 ein zweites Mal, nun im Fach Medizin (Thema: "Sippenuntersuchungen bei Lippen-Kiefer-Gaumenspalte").


1937 trat der ehrgeizige Nachwuchswissenschaftler in die NSDAP ein, ein Jahr später außerdem in die SS; insbesondere letzteres konnte einer Karriere im Bereich der rassistischen Leitwissenschaften des Regimes, die die Genetik und die Anthropologie zweifelsohne waren, nur dienlich sein. Verschuers Frankfurter Institut erstellte als "Prototyp der engen Verbindung von wissenschaftlicher Forschung und nationalsozialistischer Rassenpolitik" (so der Leiter) unter anderem Gutachten für sogenannte Rassenschandeprozesse. Auch Mengele erstellte solche "Vaterschaftsgutachten", die bestimmen sollten, ob die betreffende Person arischer oder jüdischer Abstammung war und meist zu Ungunsten des Angeklagten ausfielen. Hier konnte Mengele das theoretische Rüstzeug seiner wissenschaftlichen Ausbildung erstmals in die schreckliche Praxis umsetzen.


Truppenarzt an der Ostfront (1941-1943)

Am 15. Juni 1940 wurde Josef Mengele zur Wehmacht einberufen, zunächst zum Sanitäts-Ersatz-Bataillon 9. Bald jedoch meldete er sich freiwillig zur Waffen-SS und wurde seit dem 11. August an der Einwandererzentralstelle in Posen eingesetzt. Am Frankreichfeldzug hat er nicht teilgenommen. Im Frühjahr oder Frühsommer 1941 wurde Mengele als Truppenarzt zur neu aufgestellten Waffen-SS-Division Wiking versetzt (SS-Pionier-Bataillon 5) und nahm von Anfang an am Rußlandfeldzug teil. Im Laufe des Feldzugs wurde Mengele mehrfach ausgezeichnet und befördert. Eine zwischenzeitliche Versetzung zum Reichsarzt SS und Polizei scheint nach Quellenlage unwahrscheinlich. Nach einer Verwundung wurde Mengele im Januar 1943 als frontuntauglich zum SS-Infanterie-Ersatz-Bataillon Ost nach Berlin versetzt, wo er in seiner Freizeit für das Kaiser-Wilhelm-Insitut für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik tätig war, das inzwischen von seinem Mentor von Verschuer geleitet wurde.



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Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt und folgt - stark gekürzt - dem biographischen Teil meines Buches:


Sven Keller:

Günzburg und der Fall Josef Mengele.
Die Heimatstadt und die Jagd nach dem NS-Verbrecher

(Schriftenreihe der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, Bd. 87),
Oldenbourg-Verlag, München 2003, 211. S.
ISBN 3-486-64587-0

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Zuletzt geändert: 01.01.1970




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